Der Bärenfang

Das graue Gemäuer erhebt sich rund 160 m westlich des Unterkunftshauses auf einer kleinen, von Felsgruppen umringten Waldlichtung. Er ist trotz seiner Unscheinbarkeit eine besondere, bisher zu wenig gewürdigte Sehenswürdigkeit, denn er ist wahrscheinlich die einzige erhaltene Bärenfalle in Deutschland. Die Errichtung des Bärenfanges geht auf das 17. Jahrhundert zurück; er wird am 03. April 1656 erstmals bezeugt und ist also kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg erbaut worden. Bei der durch den Krieg spürbaren Entvölkerung, der dadurch bedingten Verödung der Felder und Wiesen und durch die Verwilderung der Bergwälder haben die Raubtiere merklich zugenommen.


Der Bärenfang

Ein einmaliges jagdgeschichtliches Denkmal aus dem 17. Jahrhundert, der "Bärenfang".


Das gut acht Meter lange, nur etwas über drei Meter breite und bis zum First rund fünfeinhalb Meter hohe, rechteckige, fensterlose Gebäude hat dicke Längsmauern aus klobigen Granitquadern, die über bretterverschalten Giebeln ein hölzernes Satteldach tragen An den unteren offenen Schmalseiten prasselten in Nuten laufende, eiserne Falltüren herunter, sobald sich der Bär an dem innen ausgelegten Köder zu schaffen machte. Der gefangene Bär wurde nun entweder getötet oder durch eingeworfene Feuerbrände gezwungen, durch eine kleine, in der Südmauer ausgesparte Öffnung in einen davorgestellten Kasten zu schlüpfen. Dieser Käfig wurde in eine etwa 2 m breite Nische der Seitenwand geschoben und mit Ketten an eisernen Haken befestigt, deren Stümpfe noch links und rechts in den Quadern stecken. Nach anderer Darstellung bediente man sich zum Einfangen des in die Falle gegangenen Bären statt des Käfigs einer vor die Öffnung gehängten Schlinge, die sich zusammenzog, sobald das Tier durchschlüpfen wollte.


Wie funktionierte nun der Mechanismus dieses kuriosen Bärenfangs eigentlich? Hier gehen die Meinung auseinander. Einig ist man sich darüber, daß die beiden an den Schmalseiten der Falle hängenden Falltüren an Seilen hochgezogen wurden, um dem durch einen ausgelegten Köder angelockten Bären das Eindringen in den Fang zu ermöglichen. Verschiedene Ansichten bestehen dagegen über das Auslösen der Türen. Am wahrscheinlichsten ist es, daß die über Rollen laufenden Seile durch einige in die nördliche Längswand eingeschlagene eiserne Ringe zu einem schräg von außen nach innen gehenden, eigenartig gebogenen Eisenstab geführt wurden. An seinem inneren Ende wurde der Köder befestigt. Sobald der Bär daran riß, wurde der Eisenstab nach innen gezogen. Dabei wurden die am anderen Stabende eingehängten Seile abgestreift. Ihres Halts beraubt, polterten nun plötzlich die schweren Türen herunter und verschlossen die beiden beiden Eingänge. Der Bär konnte nicht mehr entweichen, denn auch der seitliche Durchschlupf war durch eine solide Holztür versperrt.


Für diese Methode sprechen einige Anzeichen an der nördlichen Außenwand des Bärenfangs. Zunächst fällt in der Mitte einer etwa einen Meter breiten Mauernische ein schmaler, kaum 0,3 m hoher senkrechter Schlitz auf, der 0,5 m über dem Erdboden beginnt. Innen läßt sich an dieser Stelle als Gegenstück ein 0,38 m über dem Pflaster liegendes rundes Loch feststellen. Wir haben es hier mit den beiden Öffnungen für den oben erwähnten Eisenstab zu tun. Auch die Führung für die Seile hat an der nördlichen Außenwand des Gebäudes Spuren hinterlassen, nämlich drei über dem Schlitz im Dreieck angeordnete und in die Granitquadern eingeschlagene quadratische Löcher. Darin waren früher angeblich die eisernen Führungsringe eingelassen. Außerdem kann man in der Mitte der Stirnwände noch flache, senkrechte Rinnen erkennen, die wahrscheinlich ein zu starkes Scheuern der Seile auf den rauhen Granitplatten verhindern sollten. Nach anderer Überlieferung sollen die Falltüren ausgelöst worden sein, sobald der Bär bei Annäherung an die Lockspeise im Innern des Fanges angebrachte bewegliche Dielen betrat. Wie dieser Mechanismus funktionierte, läßt sich heute nicht mehr feststellen, weil er keinerlei Spuren hinterlassen hat. Jedenfalls scheint dabei der zur Aufnahme des Köders bestimmte Steintrog eine Rolle gespielt zu haben, der im Innern der Falle vor der Südmauer beim Bärenloch in das grobe Granitpflaster eingetieft ist. Natürlich ist auch die Möglichkeit nicht auszuschließen, daß erst das eine, nach einer Erneuerung des Fanges aber das andere System angewendet worden ist.Der letzte Bär soll übrigens nach den Schriften des Hofer Gymnasialrektors Helfrecht um das Jahr 1760 gefangen worden sein. Den letzten Bären im Fichtelgebirge soll 1769 der Vordorfer Förster erschossen haben.