Das Fichtelgebirge

Das Fichtelgebirge ist ein hufeisenförmiger Gebirgsknoten, der die Mittelgebirgszüge Franken-,Thüringer-, Oberpfälzerwald und das Erzgebirge verknüpft. Der Naturpark ist in etwa der Mittelpunkt von den europäischen Mittelgebirgen.

Fichtelgebirgskarte

Heute liegt das Fichtelgebirge von den politischen Grenzen her in Nordbayern. Neben dem Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, der flächendeckend im Naturpark liegt, gehören Teile zu den Landkreisen Bayreuth, Hof und Tirschenreuth. Es besitzt mit dem Schneeberg (1059 m) und dem Ochsenkopf (1024 m) die höchsten Erhebungen in Franken. Das Fichtelgebirge gilt allgemein als die "Kalte Ecke Bayerns". Tatsächlich treten erhebliche Klimaunterschiede innerhalb des Naturparkes auf. In Weißenstadt am Fuße des Schneeberges blühen die Apfelbäume um ca. 14 Tage später als die Bäume in Hohenberg a. d. Eger. Das Fichtelgebirge wurde wegen des rauhen Klimas und der Randlage zu dem damaligen Duetschen Reich erst verhältnismäßig spät flächenhaft von der Oberpfalz aus besiedelt.


Mit der beginnenden Besiedlung im Mittelalter wurde mit den Gebieten jenseits der heutigen Grenze die Region Eger gebildet. Ihre Westgrenze ist heute noch die Grenze des Bistums Regensburg und kann in der Landschaft durch die Ruinen auf dem Waldstein, Epprechtstein und am Kornberg nachverfolgt werden. Die Grundherrschaft wechselte mehrfach. Im ausgehenden Mittelalter wurde die Grundlage der meisten heutigen Verwaltungsgrenzen gelegt. Alles was nördlich einer gedachten Linie von der tschechischen Grenze über den Kohlwald, Kösseine, Nagel, Ochsenkopf lag, kam zu dem Markgrafentum Bayreuth und damit unter den fränkischen Einfluß. Die südlichen Teile blieben bei der Oberpfalz, die dann zu Bayern geschlagen wurden. Die im inneren Fichtelgebirge vorhandenen markgräflichen Ämter Kirchelamitz, Arzberg, Hohenberg, Thierstein und Weißenstadt wurden unter der Führeung von Wunsiedel zu den "Sechs Ämtern" zusammengeschlossen. Die heutigen Verwaltungsgliederungen wurden erst verhältnismäßig spät erreicht. Immer wieder wurden Umstellungen vorgenommen.


Der Granit, der wegen der im Fichtelgebirge weit verbreiteten Steinverarbeitungsindustrie synonym für das Fichtelgebirge genannt wird, kommt nur in den Höhenzügen des Hufeisens und im Selber Hochland in verschiedenen Zusammensetzungen und Farben vor.


In dem Fichtelgebirge sind eine Reihe von Mineralquellen, vor allem Eisensäuerlinge, vorhanden. Bad Alexandersbad verdankt seine Gründung dem "Sichersreuther Sauerbrunnen", der heute noch die wesentliche Grundlage der Heilkuren in Bad Alexandersbad ist. Kothigenbibersbach, Hohenberg a. d. Eger, "Carolinenquelle" und der Jean-Paul-Brunnen am Fichtelberg sind nur die bekanntesten dieser Quellen. Das Fichtelgebirge insgesamt gesehen, ist nicht so artenarm, wie es vordergründig erscheint. Innerhalb des Naturparkes Fichtelgebirge ist eine große Vielfalt von Pflanzenstandorten gegeben. Im wesentlichen überwiegen aber die sauren, artenarmen Böden. Die basisch wirkenden und artenreichen Basalte, Diabase und Kalksilikate sind auf kleinflächige Standorte beschränkt, die wegen ihres geringen Umfangs besonders bedroht sind.


Die Krautschicht in den Wäldern auf den sauren Böden wird im wesentlichen von Moosen, Farnen und Blütenpflanzen, wie dem Siebenstern, dem Symbol des Fichtelgebirgsvereins, dem Wintergrün, Wachtelweizen, Drahtschmiele, Preiselbeere, Heidelbeere bestimmt. Die Hochmoore und die Verlandungsbereiche von alten Weihern sind die Heimat von Moorpflanzen, wie dem Torfmoos, dem Sonnentau, der Moosbeere, der Rosmarinheide und dem Wollgras. Mit den großen Wäldern besitzt das Fichtelgebirge noch die Voraussetzungen für Rot- und Auerwild. Aufgrund der Bodenschätze besaß das Fichtelgebirge im Mittelalter eine bedeutende Wirtschaftsstellung. Mit der einsetzenden Industrialisierung hat es wegen des größeren Wachstums anderer Gebiete an Bedeutung verloren. Ortsnamen wie Arzberg, Fröbershammer, Goldkronach erzählen noch von der industriellen Vergangenheit.


Das Fichtelgebirge wurde schon früh als Wandergebiet entdeckt und vom Fichtelgebirgsverein erschlossen. Ein Netz von überörtlichen Wanderwegen verknüpft die vielen Sehenswürdigkeiten, vor allem aber neben den sehenswerten Orten die Felsenlabyrinthe, die oft durch Besteigungsanlagen erschlossen sind. In der Zeit der Romantik (1805) wurde sogar in dem Labyrinth der Luisenburg ein Park angelegt. Nicht von ungefähr spielt man noch heute in diesen Felsen Theater. Neben den Wanderungen bietet das Fichtelgebirge mit Einrichtungen, wie dem Weißenstädter See oder der Seilbahn zum Ochsenkopf weitere interessante Freizeiteinrichtungen, wie Badeweiher, Grillplätze, Spielplätze, Lehrpfade und anderes mehr. Der Ochsenkopf ist mit zwei Sesselbahnen erschlossen, die durch eine Sommerrodelbahn ergänzt wurden. Das größte Schaubergwerk von Nordbayern ist in dem bis in dieses Jahrhundert betriebene Silbereisenbergwerk "Gleisinger Fels" bei Fichtelberg eingerichtet worden.


Die Schneesicherheit macht das Fichtelgebirge mit den Abfahrten am Ochsenkopf, in Warmensteinach, Mehlmeisel und am Kornberg zu den bedeutendsten alpinen Wintersportgebieten in Nordbayern. Der Einrichtungsplan kann dazu beitragen, dass die Landschaft des Fichtelgebirges bei Abwägung aller Interessen zu einer Vorbildlandschaft für Erholung wird.