Das Kind im Berge

Eine Frau suchte am Johannistage mit ihrem Kind auf dem Waldstein Beeren. Sie fand einen über und über vollen Strauch, der gar nicht leer werden wollte. Plötzlich öffnete sich vor ihr eine Höhle. Neugierig gemacht ging sie mit dem Kind hinein und sah sich ringsum von Schätzen umgeben. Drei weißgekleidete Jungfrauen winkten die Überraschte heran und luden sie ein, von dem Gold zu nehmen, soviel sie mit einer Hand fassen könne. Sie aber, von wilder Habgier gepackt, griff dreimal in die Goldhaufen hinein und sprang dann mit ihrer Beute aus der Höhle. Donnernd schloß sich hinter ihr der Fels. Erst jetzt erinnerte sie sich ihres in der Höhle zurückgelassenen und nun eingeschlossenen Kindes. Da weinte und jammerte die Mutter herzzerbrechend, denn all das gewonnene Gold konnte ihren größten Schatz nicht ersetzen. Immer wieder suchte sie die Höhle; aber sie blieb verschwunden. - Als die Frau ein Jahr später am Johannistag wieder suchend zwischen den Felsen herumirrte, war die Höhle offen. Sie rannte hinein und schloß erleichtert ihr Kind, das ihr entgegenlächelte und in einer Hand einen roten Apfel hielt, heil und gesund in ihre Arme.