Der Schäfer von Stockenroth

Der Schäfer vom Schloßgut in Stockenroth hütete seine Schafe täglich droben im Wald. Er kam gelegentlich auch zum Waldsteingipfel. Dort fiel ihm auf, daß sein Hund öfter verschwand und nach geraumer Zeit vollgefressen zurückkehrte. Eines Tages ging er ihm nach. Er sah den Hund in einer Höhle verschwinden. Erstaunt trat der Schäfer ein und stand einer weißgekleideten Frau gegenüber, die ihn um einen Kuß bat. Beherzt erfüllte er ihren Wunsch. Die dadurch erlöste Jungfrau führte ihn tiefer in die Höhle hinein. Dort zeigte sie ihm einen großen Kasten, auf dem ein schwarzer Hund hockte, reichte ihm eine Lilie (nach anderer Version eine Johannisblume) und sagte: "Dies ist der Schlüssel zur Truhe. Du kannst alle Tage wiederkommen und dir immer dreimal von dem darin verwahrten Schatz nehmen." Dies ließ sich der Schäfer nicht zweimal sagen. Sobald er den Kasten mit der Blume berührte, sprang der schwarze Hund herunter, der Deckel öffnete sich und der Schäfer konnte sich dreimal eine Handvoll von den Kostbarkeiten herausnehmen. Als er reich genug geworden war, verzog er nach Sachsen. Dort erzählte er einmal, was er auf dem Waldstein erlebt hatte. Von diesem Augenblick an war die Wunderblume, der Schlüssel zur Schatztruhe verschwunden.