Die Strietzala

Wenn in Nordostoberfranken einem Mädchen die Kopfhaare recht zerrauft sind, wenn es am Morgen das Bett verläßt, so heißt es: "Heute nacht haben dich die Strietzala aber arg zerzaust!" Dieses sollen die ruhelosen Geister von Kindern sein, die vor der Taufe starben. Um auch die ewige Seligkeit zu erhalten, tun sie Gutes, wo sie nur können. So helfen sie ungesehen im Haushalt, im Stall, auf den Feldern, pflegen Kranke und unterstützen Notleidende. Aber das schließt nicht aus, dass sie manchen Schabernack verüben, um die Menschen auf den rechten Weg zu bringen. Sie flechten dem Rindvieh und den Pferden die Schwanzhaare zu lauter kleinen Zöpfchen, dass man am Morgen mit dem Entwirren lange aufgehalten ist. In die Stiefel schütten sie Wasser, dass sie am Morgen nicht benützt werden können. Der Großmutter triefeln sie den angefangenen Strickstrumpf auf, und Vaters Joppe hat am Morgen keine Knöpfe mehr. Wer kann all ihren Unfug aufzählen, den sie verüben, um den Menschen ihre Fehler erkennen und vermeiden zu lassen.