Die Erdschmiede

Die Erdschmiede waren gute Erd- und Waldgeister und kaum länger als ein Daumen. Sie trugen meist graue Bergmannskleidung, Schurzfelle und an den Füßen winzige Pantoffeln. Ihre Wohn- und Werkstätten befanden sich gewöhnlich in verfallenen Bergwerksstollen, in schwerzugänglichen Felsklüften oder in eingestürzten Gewölben und Verliesen einsam liegender Burgruinen.

Der Feilenhauer, der von alten Leuten von den Erdschmieden gehört hatte, suchte an einem Sonntagmorgen im Felsenlabyrinth des Waldsteins nach ihnen. Dort hatten sie sich schon öfter gezeigt. Er fand sie auf einer Felsplatte bei der Arbeit und konnte sie eine Zeitlang belauschen. Einandermal überraschte er die Wichte am selben Platz beim lustigen Reigen. Einmal waren die Erdschmiede auf einem Felsblock beim "Türla" mit der Anfertigung winziger Zinngefäße beschäftigt. Mitten auf ihrem Werkplatz loderte ein Feuerchen. Ringsum standen kunstvoll gearbeitete Becherchen. Der Feilenhauer kletterte über eine Felskluft zur Werkstätte hinüber und wollte sich eines dieser Becherchen aneignen. Aber urplötzlich waren diese und die Erdschmiede verschwunden, obwohl er ihr Hämmern noch aus nächster Nähe hören konnte.

Ein Pilzsucher wollte ebenfalls Erdschmiede auf dem Großen Waldstein gesehen haben. Sie ruhten sich, mit blauen Höschen und Schurzfellen angetan, in der Nähe des Teufelstisches in der schüsselförmigen Vertiefung eines Felsklotzes aus. Als er spaßeshalber mit Rindenstückchen nach ihnen warf, wurden die kleinen Schmiede unsichtbar. Ein Jahr später begegeneten sie ihm nochmals, diesmal auf der Mauerkrone der Burgruine.