Die Wolkenstürer

Eines Jahres wollte in Zell am Waldstein kein Tropfen Regen fallen, obwohl über den nahen Haidberg oftmals dicke schwarze Regenwolken zogen. Die Wiesen waren hier verdorrt und die Feldfrüchte standen erbärmlich. Alle Mittel, die man anwandte, Regen zu erhalten, blieben ergebnislos.

Da kam einem Zeller Bürger der Gedanke: "Die Wolken sind zu dick, daher kann kein Regen herausfallen. Also muss man sie auflockern." Dies Beginnen sahen alle Einwohner als die letzte Möglichkeit an, Regen zu kriegen. Wie nun über dem Haidberg wieder dicke schwarze Wolken hingen, rief man die Leute zusammen, die Wolken zu zerstüren. Was laufen konnte, folgte dem Rufe und rannte mit Schaufel, Spieß oder Stange ausgerüstet, dem Berge zu. Dort quirlte nun alt und jung in der Luft herum. Am Abend zog alles todmüde heim. Doch bald weckte die Schläfer ein prasselnder Regen. Mit sich selbst zufrieden, legte sich jeder wieder aufs Ohr und schlief befriedigt bis zum Morgen. Es regnete den ganzen Tag und die ganze Woche.

"Nun wär's genug!" meinten die Zeller. Aber der Regen hörte nicht auf. Da war guter Rat teuer. "Die Kartoffeln fangen schon das Faulen an!" erzählte betrübt einer dem andern. Da fiel manchem ein: "Wir haben vielleicht mit dem Stüren die Wolken zu arg aufgelockert. Nun müssen wir sie wieder zusammenschieben, dass sie das Wasser halten können." und gedacht - getan. Das ganze Zell zog Wolken zusammen. Doch das war ein viel härteres Geschäft als das Zerstüren und half erst nach acht Tagen mühevoller Arbeit, bei der sie alle Abende todmüde und patschnass heimkamen.

Am Sonntagmorgen lachte ihnen der herrlichste Sonnenschein. Die Wolken waren wieder in Ordnung. Das war das erste und das letzte Mal, dass die Zeller Wolken gestürt haben.